Die Sache mit dem Heiligen Geist habe ich lange nicht verstanden. Was genau feiern wir an Pfingsten und warum? Zugegeben, das Thema scheint zunächst etwas aus der Zeit gefallen – aber ein Aspekt lässt mich dabei einfach nicht los.
„Es gibt zwar verschiedene Gaben, aber es ist immer derselbe Geist… Das Wirken des Geistes zeigt sich bei jedem auf eine andere Weise. Es geht aber immer um den Nutzen für alle.“ (1. Korinther, 12, 4.7)
Der Heilige Geist hat uns ausgestattet mit Gaben, um anderen von Nutzen zu sein. Aber wie erkenne ich, um welche Gaben es sich handelt?
Paulus ermutigt die Gemeinde in Korinth, einander anzunehmen, die Gaben des anderen zu sehen und als Ergänzung wahrzunehmen. Und sich gleichzeitig aber auch in den Dienst der Gemeinde zu stellen. Wir befinden uns heutzutage in unterschiedlichen Gemeinschaften – im Beruf, der Schule, in Vereinen und in der Kirche. Und wir sehen in jedem dieser Bereiche, wie wichtig es ist, dass sich verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Gaben einbringen. Mich berührt der Gedanke, dass der Heilige Geist mich persönlich mit einer speziellen Gabe ausgestattet hat, mit der ich wirken darf in der Gesellschaft. Ich werde gebraucht mit genau dem, was ich mitbringe und wie ich bin. Aber wie oft erkennen Menschen nicht, dass sie damit ausgestattet sind?
Meine Tochter bspw. kocht sehr gerne und gut mit ihren 11 Jahren, hat dafür aber keine 1 in Mathe. Gerade gab es Zeugnisse und da kann es sein, dass sich das nicht so gut anfühlt. Es wird daraus nicht sichtbar, was sie richtig gut kann, wie z.B. für andere da zu sein oder mit ihrem sonnigen Wesen Freude zu verbreiten. Somit versuche ich, sie darin zu bestärken, was sie richtig gut kann. Wie sie uns als Familie mit ihrem Kochen bereichert und ein Stück von sich an die Gemeinschaft verschenkt. Das lässt sie wachsen und Verantwortung übernehmen. Und es hilft vielleicht dabei, die eigenen Gaben zu erkennen und daraus dann später etwas zu machen, unabhängig von der Mathenote.
Ob es sich dabei nun um die Gaben des Heiligen Geistes handelt oder natürliche Fähigkeiten, ist nicht klar zu beantworten. Wie gut, dass Paulus im Brief an die christlichen Gemeinden in der Region Galatien eine kleine „Checkliste“ zusammengestellt hat, wie sich der Geist Gottes im Leben auswirkt. „Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung.“ (Galater 5,22f.)
Ich wünsche mir unabhängig von Gabe oder natürlicher Fähigkeit, dass die Menschen achtsamer werden für diese Früchte. Sie haben das Potential unser persönliches Leben, aber auch das Miteinander auf der großen Bühne der Politik zu verändern.
Es gibt noch viel zu verstehen und ich begebe mich weiter auf Entdeckungsreise.