"Liebt eure Feinde"

"Liebt eure Feinde"

Jesus Christus spricht: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen! Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch beschimpfen! (Lukas 6, 27-28, Einheitsübers.; Monatsspruch für Januar 2025)

Das ist keine Kür für Fortgeschrittene, was Christus hier lehrt. Im Gegenteil: Feindesliebe sollte der Markenkern unseres Glaubens sein. Jesus selbst hat für die gebetet, die ihn gekreuzigt haben. Er hat Römern und Samaritern Gutes getan. Menschen also, die als Erbfeinde galten. Und wir sollen das auch tun.

Tun wir aber meistens nicht. Und dafür haben wir eine Menge Ausreden. Die eleganteste ist vielleicht diese: Man verdreht fromm die Augen und erklärt: Ich habe doch gar keine Feinde. Natürlich, so unzivilisiert sind wir nicht nicht, Feinde zu haben. Wir haben höchstens Menschen, die uns am Allerwertesten vorbeigehen. Die würden wir nicht mal ignorieren. Hassen schon gar nicht. Aber lieben halt auch nicht. Meine Schwester, die mich ums Erbe betrogen hat. Mit der habe ich seit Jahren keinen Kontakt mehr. Oder der Kollege, der mich beim Chef angeschwärzt hat. Der ist für mich gestorben.

Doch, genau das sind unsere Feinde. Genau diese Menschen sollen wir lieben. Und da kommt, ganz reflexartig, die nächste Ausrede. So jemanden lieben? Geht gar nicht. Das kann ich einfach nicht! Das bringe ich einfach nicht übers Herz.

Klar, wenn Liebe ein Gefühl ist, dann geht das nicht. Liebe sind Schmetterlinge im Bauch. Aber denke ich an diese Person, zuckt kein Flügel. Unmöglich! Da kann ich einfach keine warmen Gefühle entwickeln. Da kommen keine positiven Emotionen!

Doch das muss auch nicht sein. Wahre Liebe zeigt sich nicht zuerst in Gefühlen. Echte Liebe zeigt sich in meinem Verhalten. Wie Jesus hier sagt: Tut ihnen einfach was Gutes. Schick deinem Feind einfach eine Flasche Wein zum Geburtstag. Oder hilf ihm, wo er in Schwierigkeiten steckt. Was Gutes tun. Dazu braucht es keine liebevollen Emotionen. Nur ein Bißchen Überwindung. Aber das kann schon das Eis brechen.

Jemandem was Gutes tun kann Wunder wirken. Ja. Tut es aber leider nicht immer. Vielleicht kommt auch nichts zurück. Oder sogar Zorn, Ablehnung und Hass. Feindschaft kommt ja meistens von beiden Seiten. Aber in diesem Fall müssen wir nicht aufgeben. Jesus nennt uns hier seine Geheimwaffen: Segnen und Beten. Wer auf unsere Liebe nicht reagiert, wird Gottes Liebe anvertraut. Wo wir nichts erreichen, ist Gott noch nicht am Ende. Und wir dürfen ihn um Hilfe bitten. Für ihn beten. Und dem anderen Gutes von Gott zusprechen. Das bedeutet segnen. Das kann Menschen verändern. Sogar Feinde zu Freunden machen.

Aber Vorsicht: Meistens wird es zuerst uns selbst verändern.

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